Fest an der Hand führt uns Wolf-Dietmar Unterweger auf unserer Bildreise. Wir nähern uns respektvoll Charakterköpfen. Es sind keine voyeuristischen Bilder. Hier wird niemand vorgeführt. Es ist kein Touristenprogramm im Folkloredorf. Wir sind uns der Echtheit bewusst und sie trifft uns. Darf man so schamlos alt sein? So vom Leben gezeichnet? Mit Runzeln, schlechten Zähnen, Haaren im Gesicht? Diese Frau mag vielleicht 80 sein. Sie wirkt wie Jahrhunderte alt. Die gebeugten, roh modellierten Körper tragen unerhört alte Kleider: abgenutzt, geflickt, löcherig, abgerissen, schmutzig, mit kaputtem Reißverschluss und ausgefranstem Kragen. Die zerfurchten Gesichter und die buchstäblich zu Werkzeugen umgebildeten Hände sprechen von einem Leben harter körperlicher Arbeit und einem voll gelebten Leben. Wir schneiden im Vergleich schlecht ab, fühlen uns wie Weichlinge und wissen, dass neben diesen echten Bauernschädeln jedes Hollywoodpaar lächerlich und peinlich aussieht. Knechte und Mägde, Begriffe die wir nur noch aus der Bibel kennen, sehen wir als Fotografie und in Farbe. Frei von Ermüdung streifen wir mit unseren Augen durch die vom Leben geschaffenen Gesichter, bleiben an den frohen Augen hängen und verlieren uns in den von der Realität gegrabenen Furchen und Falten und erstarren in Liebe, Furcht, Faszination, Mitleid und Achtung.
Text: Susanne Veil / Philipp Unterweger

































